@ Wasserwolf
Genau hier sehe ich das Hauptproblem. Während viele Angler auf den Aalfang verzichten würden, um auch der nächsten und übernächsten Generation die Möglichkeit zu geben, einen lebenden Aal zu sehen oder auch wieder zu fangen, werden die Leute, die damit viel Geld verdienen nicht so leicht zu überzeugen sein. Auch die Kraftwerksbetreiber, egal welcher Kraftwerke, werden nicht einfach Gelder für Fischtreppen oder Umgehungswege für die Aale locker machen. Ich möchte noch ein kleiner Ausschnitt aus einem Bericht der Fischereiexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel HAPPACH-KASAN in Teilen anfügen.
Happach-Kasan: Bestand des Aals durch Kleine Wasserkraft in Deutschland bedroht Bundesregierung beschönigt die Situation
Bericht vom 28.05.2009
Der Bestand des Europäischen Aals befindet sich nach Einschätzung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) derzeit "außerhalb sicherer biologischer Grenzen". In der "Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands" wird der Aal ebenfalls als "gefährdet" eingestuft. Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der Aalbestände sind der Export der Glasaale in den ostasiatischen Raum sowie die Tötung der Blankaale in Wasserkraftanlagen...........
Glasaale werden nach Angaben der Bundesregierung derzeit zu etwa 45 % nach Asien exportiert, 20 % werden als marinierte Fischdelikatesse in Spanien und Frankreich direkt verzehrt, 20 % stehen für Besatzzwecke in europäischen Gewässern zur Verfügung und nur 15 % Jungaale wandern in Europa natürlich in die Gewässer ein. Die EU-Verordnung verfolgt das Ziel, dass bis 2013 etwa 60% des Glasaalaufkommens für die Wiederauffüllung der Bestände in europäischen Gewässern zur Verfügung stehen. Das entspricht nahezu einer Verdoppelung der jetzt erreichten Quote................................
Der zweite wichtige Grund für den starken Rückgang der Aalbestände ist die hohe Verlustrate der Blankaale beim Aalabstieg. Etwa 50% der Gewässer in der EU sind verbaut. Nach Auskunft der Bundesregierung gibt es 7700 Wasserkraftanlagen, mit denen in Fließgewässern elektrischer Strom erzeugt wird. Die Wanderung der Aale durch die Wasserkraftanlagen führt zu hohen Verlusten. In Beantwortung einer früheren Anfrage hat die Bundesregierung die Verlustrate mit 30% angegeben (Drucksache 15/2929). Untersuchungen am Main zeigen ebenfalls, dass etwa 30% der Blankaale in Wasserkraftanlagen getötet und zusätzlich die Hälfte der überlebenden Aale verletzt werden. Durch die summarische Wirkung von hintereinander folgenden Wasserkraftanlagen fällt die überlebensrate abwandernder Blankaale statistisch gesehen bereits nach der dritten Wasserkraftanlage unter den von der EU geforderten Wert von 40 %. Nach der siebten Anlage beträgt der Wert nur noch 10 %. Die Vermutung der Bundesregierung, dass in Deutschland der von der EU geforderte Wert erzielt wird, dass 40% der Blankaale das Meer erreichen, ist somit völlig unrealistisch..........................................
Die Einschätzung der Bundesregierung ist hinsichtlich der Wirkung von Wasserkraftanlagen auf die Fischfauna und speziell den Aal ebenfalls geschönt. Sie verweist auf grobe Schätzwerte nach denen etwa 390 t Aal in Deutschland jährlich durch technische Anlagen, wie z. B. Kühlwasserentnahmen und Wasserkraftanlagen getötet werden. Fischereiexperten kommen zu anderen Ergebnissen. Allein an einer 700 kW-Wasserkraftanlage an der Lahn werden zum Beispiel pro Nacht in Zeiten durchschnittlicher Aal-Abwanderungsaktivität 100-150 kg Blankaale getötet, so eine Mitteilung des Verbandes Hessischer Fischer. Die Abwanderungszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von 15 bis 20 Tagen im Jahr, so dass allein in dieser Anlage 2-3 t Aale in einem Jahr getötet werden. ...............................................................................
Die Stromerzeugung in Wasserkraftanlagen wird in Deutschland durch das Energieeinspeisungsgesetz (EEG) gefördert. Wasserkraftanlagen in den Unterläufen großer Ströme wie Elbe oder Weser müssen von allen Blankaalen der Gebietseinheit passiert werden. Dort sind Wasserkraftanlagen nur zu rechtfertigen, wenn durch Schutzmaßnahmen wie Fischtreppen, Fischpässe, Rechen zum Versperren des Turbinenkanals ein sehr hoher Anteil die Anlagen lebend und unverletzt passieren kann. 90% des Stroms wird in den 355 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 1 MW produziert, die restlichen 10 % in 7 345 Kleinanlagen. Angesichts des extrem geringen Beitrags dieser Anlagen zur Energieversorgung und den hohen ökologischen Schäden durch Störung des Gewässerkontinuums, Artenschwund bei Fließgewässerarten etc. sollte das EEG hinsichtlich der Förderung von Strom aus Wasserkraftanlagen novelliert werden. Es darf kein weiterer Anreiz zum Aus- und Neubau dieser kleinen Wasserkraftanlagen geschaffen werden. Die Minderung der Mortalität der Blankaale muss im Interesse des Artenschutzes Priorität gegenüber der Stromproduktion in kleinen Wasserkraftanlagen erhalten..............................
Quelle: happach-kasan.de
Zuletzt sollte man auch nicht vergessen, das die Kormorane in Deutschland etwa die gleiche Menge an Fischen fressen, die Sport- und Berufsfischer zusammen fangen. Ich denke mal, das man so auch mit den Aalen rechnen kann. Die selbe Menge an Aalen, die alle deutschen Fischer und Angler im Jahr fangen, fressen auch die Kormorane in Deutschland. Für mich steht somit fest, das die Angler hier auf ziemlich verlorenem Posten stehen, selbst wenn sie auf den Aalfang verzichten.
Gruß Raba